Wenn eine Krankheit nicht mehr heilbar ist und die verbleibende Lebenszeit begrenzt wird, tritt die Palliativpflege in den Vordergrund. Ihr Ziel ist nicht die Heilung, sondern die bestmögliche Lebensqualität für den schwerkranken Menschen – durch Schmerzlinderung, ganzheitliche Begleitung und Unterstützung der Angehörigen. In Hamburg gibt es dafür ein gut ausgebautes Netz aus ambulanten Palliativdiensten, SAPV-Teams, Hospizen und Beratungsstellen.
Was ist Palliativpflege?
Palliativpflege (von lateinisch „pallium" – der Mantel) bezeichnet die umfassende Versorgung schwerkranker Menschen, die an einer nicht heilbaren Erkrankung leiden. Sie umfasst medizinische Schmerztherapie, pflegerische Versorgung, psychosoziale Begleitung und spirituelle Unterstützung – für den Betroffenen selbst und für seine Familie. Palliativpflege kann zu Hause, in einem Hospiz oder in einer Palliativstation stattfinden.
Der Begriff umfasst zwei Versorgungsebenen:
- Allgemeine Palliativversorgung (APV): durch Hausärzte, ambulante Pflegedienste und Pflegeheime
- Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): durch speziell ausgebildete multiprofessionelle Teams
SAPV in Hamburg – spezialisierte Versorgung zu Hause
Die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) richtet sich an schwerkranke Menschen mit komplexem Versorgungsbedarf, die zu Hause sterben möchten. SAPV-Teams in Hamburg bestehen aus Palliativärzten, Palliativpflegefachkräften, Sozialarbeitern und Seelsorgern, die rund um die Uhr erreichbar sind – auch nachts und an Wochenenden.
Die SAPV-Leistung wird von der Krankenkasse übernommen und erfordert eine ärztliche Verordnung. Der Hausarzt oder das Krankenhaus stellt diese Verordnung aus. In Hamburg sind mehrere SAPV-Teams tätig, die alle Stadtbezirke abdecken.
Ambulante Palliativpflege durch Pflegedienste in Hamburg
Auch ohne spezialisiertes SAPV-Team können viele palliative Pflegeleistungen durch ambulante Pflegedienste mit Palliativerfahrung erbracht werden. Dazu gehören:
- Unterstützung bei der Körperpflege und persönlichen Hygiene
- Schmerzbeobachtung und Weitergabe an den behandelnden Arzt
- Wundversorgung und Stomaversorgung
- Positionswechsel zur Dekubitusprophylaxe
- Hilfe bei der Ernährung und Flüssigkeitsgabe
- Begleitung und Entlastung der pflegenden Angehörigen
Diese Leistungen werden über die Pflegekasse (Pflegesachleistungen) und die Krankenversicherung (Behandlungspflege) finanziert. Ein ambulanter Pflegedienst mit Palliativkompetenz koordiniert dabei eng mit dem Hausarzt und ggf. dem SAPV-Team.
Hospize in Hamburg – Sterben in Würde
Wer zu Hause keine angemessene Palliativversorgung erhalten kann, hat die Möglichkeit, in ein stationäres Hospiz zu wechseln. In Hamburg gibt es mehrere stationäre Hospize, die speziell auf die Begleitung sterbender Menschen ausgerichtet sind. Der Unterschied zum Krankenhaus: Im Hospiz steht nicht die medizinische Behandlung, sondern die Lebensqualität und die menschliche Begleitung im Vordergrund.
Die Kosten für stationäre Hospizpflege werden zu einem großen Teil von der Kranken- und Pflegekasse übernommen. Ein Eigenanteil kann anfallen, viele Hospize haben jedoch Sozialfonds für Bedürftige.
Schmerztherapie als Kern der Palliativpflege
Ein zentrales Ziel der Palliativpflege ist die wirksame Schmerzbehandlung. Viele schwerkranke Menschen fürchten unerträgliche Schmerzen am Lebensende – dabei hat die moderne Palliativmedizin heute Möglichkeiten, Schmerzen in den meisten Fällen wirksam zu lindern. Palliativärzte in Hamburg sind in der Schmerztherapie spezialisiert und können individuell abgestimmte Medikamentenpläne erstellen.
Wichtig: Schmerzmittel in der Palliativpflege – auch starke Opioide – machen nicht süchtig, wenn sie fachgerecht eingesetzt werden. Das Ziel ist stets, den Menschen so schmerzfrei wie möglich zu halten, damit er die verbleibende Zeit in Würde verbringen kann.
Unterstützung für Angehörige in Hamburg
Die Begleitung eines sterbenden Menschen ist für Angehörige eine extreme Belastung – körperlich und emotional. In Hamburg gibt es verschiedene Unterstützungsangebote:
- Beratungsstellen für pflegende Angehörige, die auch am Telefon erreichbar sind
- Trauerbegleitung durch ambulante Hospizdienste und kirchliche Einrichtungen
- Verhinderungspflege: Wenn die pflegende Person vorübergehend ausfällt, übernimmt die Pflegekasse bis zu 1.685 Euro jährlich für eine Ersatzpflegekraft
- Pflegeunterstützungsgeld: Berufstätige Angehörige können für bis zu 10 Arbeitstage Pflegeunterstützungsgeld beziehen, um die Pflege zu organisieren
Palliativpflege finanzieren – was übernehmen Kassen?
Die Kosten der Palliativpflege werden von verschiedenen Trägern übernommen:
- Krankenkasse: SAPV-Leistungen, ärztliche Behandlung, Medikamente, Behandlungspflege
- Pflegekasse: Pflegesachleistungen, Pflegegeld, Entlastungsbetrag (je nach Pflegegrad)
- Eigenanteil: Kann bei stationärer Hospizpflege anfallen; viele Einrichtungen haben Fonds
Palliativpflege in Hamburg organisieren
Wenn Sie für einen schwerkranken Angehörigen Palliativpflege in Hamburg organisieren möchten, ist der erste Schritt oft ein Gespräch mit dem Hausarzt. Dieser kann eine SAPV-Verordnung ausstellen oder einen Pflegedienst mit Palliativerfahrung empfehlen. Über pflegedienst.me vermitteln wir kostenlos und neutral ambulante Pflegedienste in Hamburg, die auch Erfahrung in der palliativen Versorgung haben.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, GKV-Spitzenverband, SGB V, SGB XI, Hamburgische Krebsgesellschaft